Archive for Februar 2011

Systemisch leiten

In der Schule steht man leider vor der paradoxen Aufgabe ein selbstgesteuertes System zu leiten, obwohl einseitige Beeinflussung nicht möglich ist. [Siehe auch triviale Systeme]. Selbstverständlich braucht eine „Gruppe eine Leiterin, auf die sie ihre positiven Erwartungen bündeln und projizieren kann.“ (S. 84) Das wäre im Falle einer Gruppe von Schülerinnen die alle Lernen wollen wahrscheinlich die Lehrperson. Diese steht ja schon während des Unterricht vor der Klasse und kann diese Funktion übernehmen. Eine Klasse Gleichaltriger hat aber eine ganz eigene Dynamik und muss sich jede Stunde mit einer anderen Führung abfinden. Die Autoren von einfach systemisch sehen das ja doch auch so: „Auch die institutionalisierte Leitungsfunktion ist eine Aussenseiterposition.“(S. 103) Dies ist zwar hart, gilt es aber zu berücksichtigen und ist einfach umzusetzten indem man allparteilich handelt. Am besten nutzt man die „Vier Energien der Führung“ um sich selbst einzuschätzen, sich seinen Ressourcen klar zu werden und die Führung als Aussenseiter, der nicht direkt in ein System einwirken kann, durchzusetzen.
[Führungskompetenz lernen in der Sapphir Academy!]

Dazu passt auch die „Einstellung, die gute Absicht in jeder störenden Handlung zu entdecken und anzuerkennen“ (S. 88) Ein fantastischer Ansatz. Ich bin ja auch für Ressourcenorientierung bei den Lernenden, aber für so eine konsequent positive Einstellung braucht es schon eine sprituelle Erleuchtungserfahrung oder gute Drogen um die Realität wirklich so zu sehen. Dieser Ansatz gefällt mir noch besser als dass Schüler grundsätzlich gerne Lernen wollen. [Mehr dazu bei Mark]

Führen heisst Entscheidungen zu treffen. Mit Pacing (Mitgehen) alleine ist eine Leitung nicht möglich. Um weiterzukommen muss eine Entscheidung gefunden werden, die sozial akzeptiert und fachlich nützlich ist. Die Reihenfolge wird in der Schule jedoch meistens eher umgekehrt sein. Die Partizipation der Lernenden bei der Themenfindung und Leistungsbewertung ist eher untervertreten.
Im letzten Kapitel des Buches werden diese Themen auch aufgenommen und die Probleme mit dem System Schulklasse aufgezeigt. Eine grosse Gruppe erzeugt eine hohe Komplexität. Zudem kennzeichnet die Klasse eine geringe formale Struktur. Die Lehrperson soll die Subsysteme der Klasse erkennen und mit Kooperation und Arbeitsteilung neue Strukturen erschaffen. Die Perle aller Weisheit wird zum Unterrichts-Thema geboten:

„Die Beziehung zwischen Lehrerin und Schülern färbt das Interesse am Thema, wie auch das Interesse am Thema die Beziehung zur Lehrerin färbt – ein zirkulärer Prozess zwischen Inhalt und Beziehung.
[und jetzt nochmal zum mitschreiben:]

  • Je mehr die Lehrerin beliebt ist, desto eher wird die Klasse ihrer Themenwahl zustimmen.
  • Je interessanter das Thema scheint, desto mehr Zustimmung bekommt auch die Lehrerin.“

Einfach systemisch! Auch bei Google Books