Systemische Lernkultur

Um einen optimalen Lernprozess anregen zu können sollte die Lehrperson möglichst ganzheitliche Lernimpulse und persönlich bedeutsame Lerninhalte anbieten. Sicherlich wäre es für SchülerInnen am besten nur das zu Lernen, was Interesse und Neugierde auslöst. Leider wird im Buch „einfach systemisch! an diesem Punkt auf Anregungung von reformpädagogischen Richtungen weiter verwiesen.

Ziel des systemischen Bildungsprozesses ist es die Fähigkeit zur Selbstorganisation zu erlangen. Korrekterweise wird an diesem Punkt im Buch auch auf den Widerspruch hingewiesen der durch das Eingreifen der Lehrperson bei der Vermittlung der Lerninhalte entsteht. (Der Reformpädagoge Hugo Gaudig hält die Lehrerfrage für Förderung von Unselbständigkeit)
Jüngere Lernende sind meiner Meinung nach zudem schlicht überfordert, wenn sie zu offen mit der Möglichkeit der Selbstorganisation konfrontiert werden. Im geeigneten schulischen Rahmen und der sinnvollen Eingrenzung der Möglichkeiten durch die Lehrperson wie in der Montessori-Pädagogik kann die Kompetenz zur Selbstorganisation sicherlich positiv gefördert werden. In dem bestehenden schulischen Rahmen fordern aber auch ältere SchülerInnen, wie ich dies im Praktikum eindrücklich erfahren habe, viel mehr die eng geführte frontale Form des Unterrichts. Gerade die Erwachsenen Lernenden arbeiten zielgerichteter und möchten mit wenig Aufwand und zeitlich effizient zum Erfolg kommen. Die Hürden auf dem Weg zur Matura sind die Klausuren und die Abschlussprüfung, die alle absolvieren müssen. Die SchülerInnen müssen allzu oft fremdbestimmt lernen. Es ist ihnen nicht zu verdenken, dass sie diesen Stoff möglichst reduziert und präzisiert serviert bekommen möchten um sich in kurzer Zeit auf die Prüfungen vorbereiten zu können. Dass so nicht unbedingt intelligentes Wissen geschaffen wird ist vielen Lernenden herzlich egal. Gewisse Fächer und Inhalte sind Pflicht. „Was soll ich später damit anfangen?“, ist eine berechtigte Frage, die mit dem Verweis auf Kompetenzförderung nicht befriedigend beantwortet werden kann. Die Lernenden befinden sich in einem System, das nicht demokratisch ist und in dem die Vielfalt der Lebensentwürfe nicht berücksichtigt werden. In einem autoritären System wo Widerstand auf einer gewissen Ebenen sinnlos ist, verhaltet man sich lieber passiv und versucht es sich so bequem wie möglich einzurichten. Um selbstorganisiertes Lernen zu fördern ist eine echte Partizipation notwendig. So sehr ich das Konzept begrüsse, der institutionelle Rahmen begünstigt diese Form des Lernens nicht. Aber Alternativen sind denkbar. [Dazu nächstes Mal mehr]

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One response to this post.

  1. […] selbst zu planen, zu steuern und zu kontrollieren. Auch wenn die Lerninhalte vorgegeben sind [siehe Erläuterungen im letzten Eintrag] lässt dies einen Spielraum offen den Lernprozess selbstbestimmt mitzugestalten und die Neugierde […]

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