Systemisch lernen

Dass Lernen eine selbstorganisierte Tätigkeit ist, die nicht perzeptiv, sondern nur handelnd ausgeübt werden kann, war die Aussage meines letzten Artikels.

Wissen wird nicht passiv aufgenommen, sondern entsteht im Lernenden.“ (einfach systemisch, S. 43) Diese Aussage will die Autorin als Antwort darauf verstehen welche „Landkarten“ wir vom Lernen machen und wie unsere Vorstellung von der des Lernenden verschieden sein kann. Genauso wie wir unsere Lebenswelt konstruieren haben wir auch eine Vorstellung davon wie wir selbst unser Lernen erfahren und wie wir als Pädagogen dies für unsere SchülerInnen voraussetzen. Das Problem ist nur das jeder eine etwas andere „Landkarte“ besitzt. Die Theorien können wissenschaftlich fundiert und bewusst, oder empirisch erfolgreich und unbewusst sein. Auf jeden Fall haben sich die Theorien für unsere Lebensführung und unsere Selbstkonstruktion als viabel erwiesen. „Eine Theorie ist eine höchst lebenspraktische Notwendigkeit: Sie ordnet unsere Erfahrungen und erklärt uns die Welt. (…) Unsere Theorien bestimmen, was wir beobachten.“ (S. 44)

Unsere Weltsicht bleibt keineswegs eine starre Konstruktion. Wir selbst sind in der Lage die Aufmerksamkeit zu änderen und neue Sinnkonstruktionen zuzulassen.

Nach Luhmann bedeutet Sinn, vereinfacht gesagt, eine Präferenz unter Möglichkeiten, die für uns handlungsmässig erreichbar und erlebnismässig aktualisiert werden können.
(Vgl.: Luhmann, Soziale Systeme, S. 82 ff)

Folgende Anregungen für eine „sinnvollere“ Pädagogik schlagen die Autoren von „einfach systemisch!“ vor:

  • Die Reduktion der Erwartungshaltung und eine Haltung der Neugier.
  • Statt in Kategorien wie „richtig und falsch“ lieber „besser und schlechter“ zu denken.
  • Eine zukunftsgerichtete positive, ressourcenoptimierte Haltung einnehmen.
  • Freiraum geben für Suchprozesse und Experimente und dabei eine fehlertolerante Kultur fördern.

Die wichtige Unterschiedung von optimierendem Lernen und Fehlerlernen erklärt hier Professor Peter Kruse:

Den Freiraum für selbstorganisertes Lernen zu gewähren setzt Mut voraus Unvorhergesehenes zuzulassen. Wie ich schon im Artikel „Hypothesen“ und „Komplexreduktion durch Handlung“ dargelegt habe, wird in „Einfach systemisch!“ auf den Punkt gebracht: „Ich muss wirksam handeln ohne zu wissen, was mein Handeln auslöst.“ (S.48)

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One response to this post.

  1. […] [Weiterführend: Komplexiditätsreduktion durch Handlung und Systemisch lernen] […]

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