Komplexitätsreduktion durch Handlung

Nach Heinz von Foerster sind die kognitiven Prozesse zirkulär organisiert:

Die vom Motorium erzeugten Änderungen im Sensorium sind wiederum für Veränderungen im Motorium verantwortlich. Die menschliche Handlungsfreiheit bekommt aus dieser Perspektive eine neue, stärkere Bedeutung. Keine Erkenntnis kommt allein durch Perzeptionen, denn diese sind immer von Aktionsschemata begleitet. Erkenntnis entspringt also aus Tätigkeit.
[Vgl.: Heinz von Foerster: Entdecken oder Erfinden, in: Einführung in den Knstruktivismus, München 2005, S.68-70]

Wie auch in Einfach systemisch!  beschrieben müssen wir uns mit der Komplexität und der Ambivalenz in sozialen Systemen abfinden. Wie im letzten Eintrag erwähnt können Hypothesenbildungen helfen die Komplexität zu reduzieren und mit Ambi- oder Multivalenzen umzugehen. In vielen Situationen nützen uns nur die noch so klugen Hypothesen nichts, weil sie nicht in unserem Handlungsbereich liegen. Anstatt die Entscheidungen anderen zu überlassen und auf ein übergeordnetes Makrosystem zu verweisen, wie in unserem Fall das verkehrte Bildungssystem oder gleich die verkommenen Gesellschaft an sich, sollte man sich fragen: „Was kann Ich tun? Wo habe ich Veränderungsmöglichkeiten, aus meiner Kompetenz, meinem Aufgabengebiet, meinen Erfahrungen, meiner Rolle, meinem Verantwortungsbereich?“ (S. 27) Durch Handlung wird Komlexität verringert, man muss sich für eine Richtung entscheiden und mit den Konsequenzen leben. Die Handlung kann ein Problem in eine neue Richtung lenken, mit der man vorher gar nicht gerechnet hatte. Handlung bedeutet auch Verantwortung zu übernehmen und eine Rolle im System zu übernehmen, die wir als Beobachter vermeintlich nicht inne hatten.
Je nach dem wie wir unsere Welt konstruieren, handeln wir auch zum Nachteil unseres sozialen Systems. Wichtig dabei ist der Fokus auf die Stärken der Gruppenteilnehmer zu legen, auch unsere eigenen. Selbst wenn unser Handeln von Respekt und Wertschätzung geprägt ist können wir nicht davon ausgehen es immer richtig zu machen. Eine Komplexitätserweiterung ist in diesem Fall unumgänglich.
Unser Handeln ist vermutlich immer auf ein Ziel gerichtet. Welches Ziel ist jedoch nicht immer zu erkennen, da es oft auch nicht bewusst ist. Diese Ohnmacht können wir akzeptieren und trotzdem handeln. In Extremsituationen sind wir gezwungen intuitiv zu handeln und liegen dabei oft genau richtig.

Die Maxime Heinz von Foerster lautet: Willst du erkennen, lerne zu handeln. Der Zen Buddhist würde das als Tun im Nicht-Tun beschreiben.

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2 responses to this post.

  1. […] Dass Lernen eine selbstorganisierte Tätigkeit ist, die nicht perzeptiv, sondern nur handelnd ausgeübt werden kann, war die Aussage meines letzten Artikels. […]

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