Hypothesen

Bei Beschreibungen von Beziehungen können nur dialogisch Bedeutung geschaffen werden (Siehe letzter und vorletzter Blogeintrag). Beobachten wir Beziehungen monologisch (Was?) kommt unserer Beschreibung eine Eigenschaft zu. Systemisch wird versucht Verhaltensweisen (Wie?) in Zusammenhängen durch eine Perspektivenänderung zu erkennen. Statt einem Monolog kann ein Dialog in Form einer realen Kommunikation das vermeintliche Problem schon entschärfen.

Bedeutung entsteht nicht aus einem bloss objektiven Zeigen, sondern aus intersubjektiven Strukturen, auf die man nicht zeigen kann. (Wilber, S. 167) In der sozialen Praxis mit Menschen haben wir es nicht mit beobachtbaren Gegenständen, sondern mit Individuen zu tun, die unterschiedliche Gefühle, Vorstellungen und Interessen haben.

Verschiedene Hypothesen zu einem komplexen Problem zu bilden, wie dies in „einfach systemisch!“ (S. 22-24) vorgeschlagen wird, scheint mir ein viabler Ansatz zu sein um in einer vernetzten Wirklichkeit Lösungsansätze zu finden. Am besten tauscht man sich mit anderen Eingeweihten aus, die jedoch keineswegs vom Fach sein müssen. Gerade die Einnahme einer anderen Perspektive kann fruchtbar wirken.

Eine einzige allgemein gültige Ursache in Bezug auf soziale Systeme erkennen zu wollen ist nicht nur schwer nachzuvollziehen sondern kommt einer totalitären Sichtweise gleich. Keine Ursache zuschreiben zu wollen, kommt einer Teilnahmelosigkeit, einer Apathie gleich. Glücklicherweise sind uns oft mehrere Ansätze zum Handeln  bewusst. Gerade Handeln kann verhindert werden, weil man ja weder die eine noch die andere Wahl wirklich bevorzugt, die Konsequenzen nicht kennt, sondern nur abzuschätzen versuchen kann. Ambivalenz in einer Gruppensituation anzuerkennen ist das eine, es bei sich selbst zuzulassen braucht Vertrauen. Die Ungewissheit, Verwirrtheit zuzulassen die eine innere Veränderung benötigt (einfach systemisch!, S. 13) die unbewusst abläuft, erst recht zu Handeln ohne vermeintlich erkannt zu haben erfodert meiner Meinung nach Mut und Glauben.

Handle immer so, als würde die Erlösung des Universums von deiner Handlung abhängen. Und lache dabei immer über dich selbst, dass du glaubst, du könntest überhaupt etwas mit deinem Tun bewirken.“ (Buddhistische Weisheit)

[Ken Wilber, Naturwissenschaft und Religion, Frankfurt a.M. 2010]

[Weiterführend: Komplexiditätsreduktion durch Handlung und Systemisch lernen]

 

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2 responses to this post.

  1. […] müssen wir uns mit der Komplexität und der Ambivalenz in sozialen Systemen abfinden. Wie im letzten Eintrag erwähnt können Hypothesenbildungen helfen die Komplexität zu reduzieren und mit Ambi- oder […]

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  2. […] Lernen zu gewähren setzt Mut voraus Unvorhergesehenes zuzulassen. Wie ich schon im Artikel „Hypothesen“ und „Komplexreduktion durch Handlung“ dargelegt habe, wird in „Einfach systemisch!“ auf […]

    Antwort

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