Zirkularität



Mit monokausalen Erklärungen können wir unsere Gesellschaften nicht erklären.

Warum waren Körperstrafen in der Erziehung und Ehe noch zu Grosselterns Zeiten üblich und gelten heute als Offizialdelikt?

Lag die Ursache bei den Schriften von Reformpädagogen zu Beginn des letzten Jahrhunderts oder bereits bei Rousseau? War die Ursache der Weg in die Konsumgesellschaft ab den 50er Jahren? Oder war der Grund die schleichende Aufweichung normativer autoritärer Institutionen wie der Kirche und der Gemeinde? Waren die Achtundsechziger der Grund für den Gesinnungswandel? Verlangte die neoliberale Wirtschaftswelt zu Beginn der 80er Jahre neue Arbeitskräfte? Lag die Ursache bei den Bürgern, den Politikern oder den Medien? Ja, Aber.

Das Zirkuläre Modell von sich gegenseitig beeinflussenden Systemen kann uns bei dieser Frage eine Antwort geben. Nur einfach wird sie nicht sein. (Ich bleibe dran)

Wir tendieren oft dazu die Welt zu trivialisieren um sie zu verstehen. Eine einfache Antwort ist einfach bequemer. (Siehe letzter Blogeintrag) Wir wollen Sinn erschaffen. Unser Handeln muss viabel zu der Welt, wie wir sie sehen, verstanden werden. Wenn sich die Welt verändert muss sich auch der Sinn anpassen (Körperliche Züchtigung als Erziehungsmassnahme). Wir brauchen Sinn um die Weltkomplexität zu reduzieren. Doch „Sinn lässt keine andere Wahl als zu wählen.“(1) Die Wahlmöglichkeiten sind durch den Kontext determiniert. Systemisch gesehen macht schlicht die Akzeptanz der Wahl den Sinn aus. Die Deutung des Sinns hingegen bleibt Konstruktion und kann nur dialogisch untersucht werden. Man kann nicht in einen Monolog wie mit einem leblosen Ding eintreten und dessen Verhalten experimentell wiederholen. Um soziale Systeme zu beschreiben können wir nicht anders als mit Wie-Fragen und nicht mit Was-Fragen operieren. Wir können nicht erkennen sondern nur annäherungsweise das Verstehen versuchen. Eine naturwissenschaftliche Betrachtung kann sozialen Systemen, oder Nicht-trivialen Maschinen, die nach der Definition von Heinz von Foerster 1. synthetisch determiniert, 2. analytisch unbestimmbar, 3. vergangenheitsabhängig, 4. unvoraussagbar sind, nicht gerecht werden. (2)

(1) [Niklas Luhmann, Soziale Systeme, Frankfurt a.M 2006, S. 194]

(2) [Heinz von Foerster, Entdecken oder Erfinden, in: Einführung in den Konstruktivismus, München 2005, S. 66]

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One response to this post.

  1. […] ein selbstgesteuertes System zu leiten, obwohl einseitige Beeinflussung nicht möglich ist. [Siehe auch triviale Systeme]. Selbstverständlich braucht eine „Gruppe eine Leiterin, auf die sie ihre positiven Erwartungen […]

    Antwort

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