Kompetenz als Selbstorganisative Tätigkeit

Der Unterschied von Mensch und Maschine besteht, zumindest inwieweit der Verfasser dieses Artikels weiss, darin, dass ein Mensch selbstorganisiert handeln kann, eine Maschine nicht.

Heinz von Foerster, einer der Pioniere des Konstruktivismus, trifft schon mal eine vorsichtigere Unterscheidung: Er differenziert zwischen trivialen- und nicht-trivialen-Maschinen. Beruhigenderweise ordnet er die menschliche Spezies der zweiten Kategorie zu.

Triviale Maschine:

Nicht-triviale Maschine:

Fähig- und Fertigkeiten können ohne Selbstorganisation auskommen, sie sind auf konvergent-anforderungsorientierte Handlungs- und Tätigkeitssituationen bezogen. Sie sind auch bei lebenden Wesen weitgehende automatisiert. Jeder „lebens-kompetente“ Organismus ist jedoch selbstorganisiert. Nach der Meinung der Konstruktivisten ist jede Organisation des Lebens autopoietisch (selbst-machend). Oder wie die Autoren in „einfach systemisch!“ schreiben: „Soziale Systeme können zwar von aussen gegründet werden, erhalten sich dann aber selbst am Leben, indem sie kommunizieren und Übereinstimmung in ihrem Denken und Handeln suchen.“(Renoldner, u.a. S. 13)  Ob das psychische[!] System eines Individuums von aussen gegründet wird, überlasse ich den Glaubensvorstellungen des Lesers, die lebenserhaltenden Aktionen erachte ich jedoch für dieselben wie bei dem Individuum.

Nicht der Reiz, sondern der Organismus ist für sein Verhalten verantwortlich.“ (Foerster, S. 74)

Diese Aussage kommt einer schweren Bürde gleich. Tatsache ist jedoch, dass wir ohne uns dies immer bewusst zu sein das Gewohnte und Vertraute jeder Ungewohnten und Fremden Situation vorziehen. Schlimmer noch. Wir konstruieren ein Bild der Welt, indem wir versuchen das Leben voraussagbar und bestimmbar erscheinen zu lassen. Dadurch jedoch trivialisieren wir die Welt. „Wenn immer sich beunruhigende Zeiten von Nicht-Trivialität andeuten, eilen wir zu Fachleuten, deren Beruf es ist zu trivialisieren.“(Foerster, S. 66)

Unsere Vorstellung der Wirklichkeit kann ja sein wie sie sein soll. Problematisch hingegen werden unsere Beziehungen wenn wir sie  trivialisieren. Genau dies tun wir jedoch wenn wir Zuschreibungen an Subjekte machen, die durch ihre Selbstorganisation unendlich komplexer sind, und die prinzipiell nicht analytisch bestimmbar sind. Radikal gesagt: „wer beschreibt, erfindet.“(Renoldner, u.a. S. 18) [Vergleiche auch: Systemische Kompetenz]

[Von Foerster, Heinz: Entdecken oder Erfinden. Wie lässt sich Verstehen verstehen?, in: Einführung in den Konstruktivismus, München 2005.]


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