Copypaste

Diesen Eintrag sollte man zusammen mit wunderbarer Musik von Rodrigo y Gabriela lesen.
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Die Anwendungsmöglichkeiten, die man sich in den 1950er Jahren von der Kybernetik erhoffte haben sich bis heute nicht durchgesetzt, genauso wenig wie das Atomauto. In der Philosophie konnte man dank der Kybernetik den Begriff „Zweck“ rekursiv begreifen: Der Zweck eines komplexen Systems, etwa auch eines Lebewesens, ist es selbst. Im radikalen Konstruktivismus wird davon ausgegangen, dass eine Wahrnehmung nicht ein Abbild der Realität sein kann. Schon Piaget hat erklärt, „daß die kognitiven Strukturen, die wir ‚Wissen‘ nennen, nicht als ‚Kopie der Wirklichkeit‘ verstanden werden dürfen, sondern vielmehr als Ergebnis der Anpassung.
Die Medien, die uns Wissen vermitteln sind ein konstituierender Bestandteil und Wirkungselement unserer Kultur.

Die Selbstverwirklichung in der Postmoderne ist das, was der Fortschrittsglaube der Moderne war. Der Zukunftsforscher Matthias Horx meint im MIGROS Magazin 53: „Es wird meiner Meinung nach viel zu wenig darüber nachgedacht, wie wir eine grössere Einheit von schöpferischer Persönlichkeit und Beruf entwickeln können. (…) Die Schulen sind heute immer noch zu sehr Abfragemaschinen. Wo wird Kreativität gelehrt, wo emotionale Intelligenz, wo die Möglichkeiten des Internets auf einer sozialen Ebene (…)“.

Wir sollten vernetztes Denken lernen und lehren. Doch der Austausch von Information ist auch im Netz beschränkt. Zu Viele hüten ihre Urheberrechte. Publikationen in den Geisteswissenschaften finden sich so gut wie gar nicht bei Google Scholar. Das Projekt der zwei Suchmaschinengründer die Library of Congress zu digitalisieren, konnte wegen Urheberklagen bisher nicht wirklich umgesetzt werden. Wikipedia ist auf Spenden angewiesen. Erst kürzlich kam es wieder zu einem dringenden Aufruf. Die Dienstleistungen und kostenlosen Informationen, die wir auf dem Netz mitlerweile zu einem erheblichen Teil Google zu verdanken haben, werden durch Werbung finanziert.

Wenn alles durch Werbung finanziert ist, bezahlt man wahrscheinlich bald dafür nicht durch diese belästigt zu werden. (Zum Thema Werbung in Sound und Video: Johannes‘ Blog)

Multimedia hin oder her- Manche schriftlich festgehaltene Gedankengänge können, frei nach Nitzsche, nur durch langsames und wiederholtes Lesen verstanden, manche Zusammenhänge nur durch Nachdenken und „lange Weile“ erkannt werden. (So wie verwirrende Bogs)

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3 responses to this post.

  1. […] Weiterführende Beiträge zur Medienkultur auch bei Reto und Schachbrettfalter. Kulturkritischer Beitrag: Copypaste […]

    Antwort

  2. […] werden. (Radikale Konstruktivisten würden das vielleicht wieder in Frage stellen; Vergleiche: Copypaste und radikaler Konstruktivismus). Es liegt heute nahe sich die Informationen aus dem Netz zu […]

    Antwort

  3. Lieber Simra,
    erst einmal ein Kompliment für die wunderschöne Auswahl der Musik von Rodrigo y Gabriela. Sie ist wirklich „requete bonito“. Nur konnte ich mich deshalb beim Zuhören nicht mehr auf den Text konzentrieren und musste die zwei Dinge voneinander trennen :- )
    Ich habe mir den Artikel im MiIGROS Magazin durchgelesen und finde Matthias Horx hat einfach Recht mit seinem Zitat:
    „Es wird meiner Meinung nach viel zu wenig darüber nachgedacht, wie wir eine grössere Einheit von schöpferischer Persönlichkeit und Beruf entwickeln können. (…) Die Schulen sind heute immer noch zu sehr Abfragemaschinen. Wo wird Kreativität gelehrt, wo emotionale Intelligenz, wo die Möglichkeiten des Internets auf einer sozialen Ebene (…)“.
    Mit seiner Aussage knüpft er im Grunde an die Haltung von Maria Montessori an: „Hilf mir es selbst zu tun.“. Vernetztes Denken kann meiner Meinung nach nur gelehrt und gelernt werden, wenn man Kindern die Möglichkeit gibt Fehler zu machen und diese auch selber zu erkennen.
    Klar könnte das Internet durch eine bessere Vernetzung mehr dazu beitragen, auch im Sinne von Kompetenzerweiterung. Auch ich hätte im Bereich Biologie gerne öfter genauere, aktuellere Forschungsergebnisse, die als „lebendiges Wissen“ genutzt werden könnten. Doch wahrscheinlich, wie in anderen Bereichen auch, ist es Geldmacherei, obwohl eine Verbreitung aktueller Ergebnisse doch im Sinne wirklich aller wäre.

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