E-Learning als Chance

Nach meinen zahlreichen kulturpessimistischen und gesellschaftskritischen Beiträgen, möchte ich doch einmal auch die positiven Seiten der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, speziell im Schulunterricht berücksichtigen.

E-Learning kann eine Chance für ein selbstbestimmteres Lernen in der obligatorischen Institution Schule sein.
Ein idealtypisches Modell einer Schule mit integriertem E-Learning sieht meiner Ansicht nach foldendermassen aus: Die Schüler erarbeiten ihr Wissen weitgehend selbstständig an einem Campus mit ausreichend ungestörten Computer-Arbeitsplätzen. Die Lehrperson ist vor Ort Ansprechpartner und kann individuelle Hilfestellung leisten. Weder existiert ein Einpferchen in einem Raum mit zwanzig zufällig Gleichaltrigen, noch gibt es willkürliche Unterbrechungen durch die Pausenglocke, die vielleicht gerade die produktivste Arbeitsphase unterbricht. Die Lernziele können individuell mit jedem einzelnen Schüler vereinbart werden. Je nach Wissen, Können, Motivation und Volation sind diese Lernziele eher kurzfristig oder längerfristig ausgelegt. Auch die Bewertung erfolgt dementsprechend individuell und vermindert den Konkurrenzdruck. Bewertet wird die Eigeninitiative und Kooperation auch im ausserschulischen Kontext. Die Schüler organisieren selbst Barcamps und Übungseinheiten. Die Lehrkräfte organisieren Vertiefungskurse und Workshops. Gerade bei der Organisation und den kollaborativen Arbeiten eignen sich die auf dem Web basierenden sozialen Netzwerke geradezu ideal.

Dies führt vielleicht sogar dazu vom obligatorischen Präsenzort Schule völlig Abstand zu nehmen. Der Individualisierung würde damit weiter Vorschub geleistet werden. Ohne Anwesenheitspflicht würden sich einige Jugendliche von der Bildungsinstitution ganz entfernen. Obligatorisch sollten daher Gruppenlernprozesse an einem festen Ort bleiben. Der Computer und das Internet sollten nicht lediglich das Vermittlermedium sein, sondern ein Arbeitsinstrument und ein Ort der Vernetzung. Da die Kommuniktion über das digitale Medium ausgeübt werden kann, auch wenn Ort und Zeitpunkt der Gesprächspartner derselbe ist, sollte eine offene mündliche Gesprächskultur weiterhin von einer moderierenden Lehrperson gefördert werden. Der kommunikative Nutzen über digitale Wege hat vor allem den Vorteil, dass eine schriftliche Fixierung stattfindet auf welche immer wieder zurückgegriffen werden kann. Der grosse Nachteil sind mögliche Missverständnisse, die mündlich schneller ausgeräumt werden könnten.

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2 responses to this post.

  1. Dass das E-learning Vorteile und große Chancen bietet, gerade hinsichtlich der Individualisierung und des selbstständigen Lernens von Schülerinnen und Schülern, sehe ich genau so.
    Doch die Überlegung, E-Learning könnte eventuell sogar dazu führen, vom „obligatorischen Präsenzort Schule völlig Abstand zu nehmen“, hat mir ziemliche Angst eingejagt. Ich denke auch, dass sich einige Lernende ganz aus der Bildungsinstitution entfernen würden, und vor allem: was würde mit unserem Erziehungsauftrag geschehen, zu dem wir als Lehrpersonen gegenüber den Kindern und Jugendlichen verpflichtet sind? Gerade in den neuen pädagogischen Modellen wird doch immer mehr auf die Wichtigkeit der Ausblidung sozialer, personeller und emotionaler Komptenzen hingewiesen. Diese sind aber nur im und durch den Kontakt mit anderen Menschen erlernbar. Zudem benötigen wir Vorbilder (z.B. Lernen am Modell von Albert Bandura), an denen wir uns orientieren, die wir nachahmen, um ein respektvolles Verhalten zu erlernen, um in unserer Gesellschaft überleben zu können. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn Computer Lehrpersonen gänzlich ersetzen würde…..
    Eine kritische Hinterfragung(oder wie du sagst „kulturpessimistische Beiträge“)in Bezug auf die neuen Technologien finde ich deswegen absolut wichtig. Das E-learning mag zwar unheimlich viele Chancen beinhalten, doch dürfen auf keinen Fall dessen Grenzen und Gefahren in Vergessenheit geraten.

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  2. […] dazu genötigt einen Text in Ruhe zu lesen um ihn zu verstehen. Siehe hierzu auch die Einträge: E-Learning als Chance, Träges Lernen, Träges […]

    Antwort

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