Mit, von oder über den Computer lernen



Wir haben Computer und Internet in unseren Schulen eingerichtet weil wir annehmen, dass die digitalen Werkzeuge überall verwendet werden und somit unentbehrlich in der Arbeitswelt geworden sind. Folglich müssen auch Schüler lernen mit dem Computer umzugehen. Die Möglichkeiten des Computers und des Internets beeinhalten auch das Lernen von Fachinhalten in ganz neuer Art und Weise, wie wir in der Diskussion über die Möglichkeiten des Web 2.0 immer wieder vernehmen können.

Selbst Musik und Kunst kann mit dem Rechner ausgeübt werden. Diese kreativen Beschäftigungen verlagern wir aber lieber in die Freizeit, genauso wie die von den Jugendlichen am meisten ausgeübte Tätigkeit am PC: das Spielen.

Da nicht gelernt wird, wie eigentlich die Architektur der Maschinen oder der Programme aufgebaut ist, beschränken wir uns vollkommen auf die erwartete perfekte Funktionalität. Dies ist zwar auch bei den anderen technischen Hilfsmitteln des Alltags so, im Umgang mit dem Computer nehmen wir aber eine konstruktive Position ein. Wir bauen eine persönliche Beziehung mit dem Rechner auf, was man im Umgang mit anderen elektrisch-mechanischen Maschinen, wie einem Staubsauger oder Toaster in der Regel nicht behaupten kann.

Funktionieren die Apparate und Programme wie wir es von ihnen verlangen, scheinen wir sie zu beherrschen. Diese Macht kann sich aber auch gegen uns richten, denn wenn etwas in der Handhabe mit der perfekten Technik nicht funktioniert, muss der Fehler zwangsläufig beim Anwender liegen.

In den künstlichen Realitäten des Internets und vor allem bei den Computerspielen, mit denen Kinder heute aufwachsen wird dieses Erleben besonders deutlich. Ganz abgesehen von der brutalen Gewaltinszenierung, wird hierbei früh gelernt, dass ein Versagen nur auf eigenes Verhalten zurückzuführen ist. Der Umkehrschluss ist, dass auch Erfolg nur vom eigenen Handeln abhängt. Äussere Einflüsse und Zufälligkeiten erhöhen in einem „intelligenten“ Computerspiel höchstens den Schwierigkeitsgrad. Fremde Elemente innerhalb oder ausserhalb des Spiels werden als Störfaktoren und Hindernisse wahrgenommen. Das System kann nicht in Frage gestellt werden. Da es sich aber nur um Handlungen im virtuellen Raum handelt, lernt das Kind bereits früh die eigenen Aktivitäten von den Konsequenzen des Tuns zu trennen.

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One response to this post.

  1. Hallo Simon

    Als ich gerade deinen Beitrag „Mit, von oder über den Computer lernen“ las, kam mir ein ziemlich unangenehmes Erlebnis in den Sinn. Als ich eines Morgens in die Schule ging, funktionierte der PC nicht, schwarzer Bildschirm. Da half alles nichts, tote Hose und dies in allen Schulzimmern. Nicht einmal Folien konnte man herstellen, da ja ein Ausdrucken mit dem Computer auch nicht mehr möglich war. Ich denke dies ist der Horror für einen ICT-Multimedia-versierter Lehrer. Zum Glück war ich dies nicht. Ich begann also getrost Bilder und Stichworte auf die Wandtafel zu malen und nach der ersten Lektion funktionierte die Technik wieder. Computertechnik ist praktisch, einfach und raffiniert. Diese Erfahrung hat mich aber gelehrt, dass man sich nie zu 100% auf die Technik verlassen darf und bei Pannen (Stromausfall, Versionenprobleme, Bedienungsprobleme) spontane Alternativen in der Tasche haben sollte. 🙂 Ein paar Abbildungen auf Folien sind da eine gute Notreserve.

    So, nun bin ich aber ein bisschen vom Thema abgekommen. Weshalb ich dir eigentlich schreiben wollte: Wenn den Lernenden kreative Arbeiten und Spiele am Computer Spass machen, dann wäre es interessant, Wege zu suchen, um solche Aktivitäten auch in den Unterricht einzubauen. Was einem Schüler Spass macht und ihn interessiert, da ist er mit doppelter Motivation bei der Sache und der Lernerfolg ist um einiges grösser. Weshalb also nicht Lernspiele in den Unterricht einbauen? Im Internet findet man eine Fülle davon, ich weiss aber nicht, ob dies für alle Unterrichtsfächer gilt (zum Beispiel in der Biologie gibt es eine ganze Sammlung auf http://www.umweltspiele.ch/ für unterschiedliche Schulstufen). Auch könnte ich mir Vorstellen, dass man die Schüler mit dem Computer gestalterisch arbeiten lässt: Mind Map oder Concept Map zeichnen, Podcast aufnehmen, WebQuest gestalten oder einen kleinen Film drehen. Natürlich haben da nicht alle Lernenden gleich viel Spass daran, aber ich könnte mir vorstellen, dass einzelne dadurch einen neuen Zugang zu einem Unterrichtsfach bekommen könnten. Es würde mich selber interessieren, so etwas Mal auszuprobieren.

    Lg, HG

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